SAP PM/EAM

Instandhaltung mit SAP PM/EAM

Das Thema Instandhaltung, in SAP unter dem Modul SAP EAM umgesetzt, haben Unternehmen viele Jahre lang eher als unerwünschten Kostentreiber betrachtet. Das hat sich inzwischen gewandelt. Heute geht es darum, die technischen Anlagen (wie Maschinen) bei hoher Lebensdauer möglichst vollständig verfügbar zu haben. Eine Instandhaltung, in der Wartungen und Inspektionsmaßnahmen vorausschauend zum Einsatz kommen, soll Probleme möglichst vermeiden, bevor sie überhaupt eintreten können. Stichwort: Vorausschauende Instandhaltung (predictive maintenance).

Generell lassen sich der Instandhaltung vier Aufgaben zuordnen:

  • Inspektion
  • Wartung
  • Instandsetzung
  • Verbesserung

Die Inspektion dient der Beurteilung des gegenwärtigen technischen Zustandes des Gerätes und der Ursachenbestimmung bei vorliegender Abnutzung.

In der Wartung werden Maßnahmen ergriffen, um den Erhalt der Funktionsfähigkeit sicherzustellen.

Die Instandsetzung ist die Wiederherstellung der Funktion einer Anlage, falls Störungen aufgetreten sind.

Die Verbesserung dient schließlich dazu, die Zuverlässigkeit der Anlage zu erhöhen, ohne dabei ihre ursprüngliche Funktion zu ändern.

Für die IT-gestützte Instandhaltung hat SAP mit dem Enterprise Asset Management (SAP EAM) ein flexibles System entwickelt, das seine Tauglichkeit in einer Vielzahl von Installationen in unterschiedlichsten Industrien weltweit bewiesen hat. Darüber hinaus findet sich das Anlagenmanagement als fester Bestandteil in den Branchenlösungen für anlagenintensive Industrien. Die Ressource ‚Anlage‘ ist dabei als Enterprise Asset Management ein Bestandteil des Gesamtsystems Enterprise Resource Planning.

SAP EAM gliedert sich in unterschiedliche Funktionsbereiche, die im Folgenden beleuchtet werden.

Die Anlagenstrukturierung

Die Basis, um mit SAP EAM die Geschäftsprozesse in der Instandhaltung abbilden und anschließend abwickeln zu können, bildet die Anlagenstrukturierung. EAM bietet ein breites Spektrum an Hilfsmitteln für die Strukturierung:

  • Technische Plätze bilden eine mehrstufige Anlagenstruktur ab. Sie stellen meist immobile, funktionale Einheiten dar. Beispiele hierfür sind Prozessanlagen in der Chemie und Pharmazie, Kraftwerke, Gebäude oder Rechnernetzwerke.
  • Referenzplätze dienen als Vorlage, um Strukturen für Technische Plätze zu erzeugen. Sie dienen stets als Referenz und können nicht Teil eines Geschäftsprozesses sein.
  • Equipments stellen einzelne Aggregate mit einem mobilen Charakter dar. Beispiele hierfür sind Maschinen, Fertigungshilfsmittel, Fahrzeuge oder IT-Inventar.
  • Objektverbindungen zeigen Beziehungen zwischen verschiedenen technischen Objekten wie z. B. Equipments oder Technischen Plätzen auf. Die Summe der Objektverbindungen bildet das sogenannte Objektnetz, mit dem sich eine Anlage horizontal strukturieren lässt. Objektverbindungen dienen der Visualisierung und können nicht Teil eines Geschäftsprozesses sein.
  • Lineare Anlagen (Linear Asset Management) sind technische Systeme, deren Eigenschaft sich in verschiedenen Abschnitten ändern kann. Beispiele sind Pipelines oder Straßen- und Schienennetze sowie Überlandleitungen. Lineare Anlagen lassen sich als technische Objekte anlegen.
  • Ein Material stellt einen Objekttyp dar und repräsentiert üblicherweise eine gewisse Anzahl von Objekten eines Typs.
  • Eine Instandhaltungsbaugruppe (IH-Baugruppe) stellt ein Element dar, das einen Technischen Platz oder ein Equipment strukturiert.
  • Seriennummern beziehen sich immer auf Einzelstücke.
  • Eine Equipmentstückliste beinhaltet eine Liste von Ersatzteilen, die einem Equipment zugeordnet sind.
  • Eine Materialstückliste ist eine Liste von Ersatzteilen, die sich beliebigen Equipments zuordnen lässt.

Bei der Auswahl der Hilfsmittel zur Anlagenstrukturierung gilt der Grundsatz: So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Je mehr Hilfsmittel zum Einsatz kommen, desto schwerer fällt die Entscheidung, in welche Kategorie ein Objekt eingeordnet wird.

Die Tiefe der Strukturierung richtet sich danach, ob ein Unternehmen eine feine Struktur bis zum letzten Ersatzteil bevorzugt oder lieber nur die ersten drei bis vier Ebenen der technischen Anlagen beschreiben will. Da es hier kein allgemeingültiges Erfolgsrezept gibt, muss jedes Unternehmen seine eigene Strategie erarbeiten.

Geschäftsprozesse

Die Geschäftsprozesse sind der Kern jeglicher Instandhaltung. Als erste Schritte der IT-basierten Instandhaltung führen Unternehmen meist die Prozesse ‚geplante Instandsetzung‘, ‚Sofortinstandsetzung‘ und ‚vorbeugende Instandsetzung‘ ein.

In SAP EAM werden die Geschäftsprozesse über die Objekte ‚Meldung‘ und ‚Auftrag‘ abgebildet. Eine Meldung dient der Anforderung und Dokumentation einer Instandhaltungsleistung, während ein Auftrag für das Planen und Durchführen einer Maßnahme zum Einsatz kommt. Aktionen dokumentieren die nach einer Meldung durchgeführten Arbeiten. Maßnahmendaten beschreiben Aktivitäten, die sich aus einer durchgeführten Instandhaltungsmaßnahme ergeben und noch durchgeführt werden sollen.

Geplante Instandhaltung

Der Prozess der geplanten Instandhaltung läuft typischerweise in fünf Schritten ab: Meldung – Planung – Steuerung – Durchführung – Abschluss. Eine Meldung erfasst einen Schaden und fordert eine Reparaturmaßnahme an. Auf Basis der Meldung wird ein Auftrag eröffnet und die dazugehörigen Arbeitsvorgänge geplant. Die Steuerung prüft zunächst, ob die benötigten Kapazitäten verfügbar sind und erstellt dann die Auftragspapiere. Im Rahmen der Durchführung werden zunächst die Ersatzteile beschafft und dann die Reparatur durchgeführt. Zum Abschluss werden die benötigten Ist-Zeiten sowie der neue Zustand der Anlage zurückgemeldet. Das Controlling rechnet schließlich den Auftrag ab.

Sofortinstandsetzung

Eine Sofortinstandsetzung ist beispielsweise dann erforderlich, wenn eine Pumpe ausfällt, ein Gabelstapler liegenbleibt oder ein Roboterarm nicht mehr funktioniert. Die fünf Prozessschritte der geplanten Instandhaltung reduzieren sich in diesem Fall auf drei: Auftragseröffnung, Durchführung und Abschluss.

Ein Auftrag zur Sofortinstandsetzung sollte möglichst schnell erfasst werden, damit der Techniker zügig mit der Reparatur beginnen kann. Das Layout der Maske für die Auftragserfassung sollte daher möglichst einfach sein – idealerweise lediglich eine Registerkarte mit wenigen Eingabefeldern.

Vorausschauende Instandhaltung

Beispiele für eine vorbeugende Instandhaltung sind eine Pumpe, die alle sechs Monate einer Sichtprüfung unterzogen wird und bei der alle zwölf Monate die Dichtung getauscht werden muss. Oder ein Gabelstapler, bei dem alle 1000 Betriebsstunden das Hydrauliköl und alle 2000 Stunden die Bremsflüssigkeit gewechselt wird.

Unterscheiden lassen sich die zeitabhängige, die leistungsabhängige und die zustandsabhängige Variante der vorbeugenden Instandhaltung. Im ersten Fall starten die Maßnahmen nach einer bestimmten Frist, im zweiten Fall beim Erreichen eines definierten Leistungsstands (Betriebsstunden oder Kilometer) und im dritten Fall beim Über- oder Unterschreiten eines Diagnosewerts (z. B. der Betriebsdruck einer Pumpe).

In SAP EAM werden die Geschäftsprozesse der vorbeugenden Wartung durch mehrere Objekte gesteuert: Wartungsstrategie, Arbeitsplan, Wartungsposition, Wartungsplan, und Terminüberwachung. Der Arbeitsplan beschreibt Arbeitsvorgänge und beinhaltet Materialien und Fristen. Die Wartungsposition beschreibt das Bezugsobjekt und die spätere Abwicklung. Der Wartungsplan beinhaltet mehrere Wartungspositionen und bestimmt die Wartungstermine. Die Terminüberwachung schließlich stellt sicher, dass alle Arbeitsschritte zur Fälligkeit erledigt werden.

Mobile Instandhaltung

Die mobile Instandhaltung bildet nicht den Gesamtprozess der Wartung ab, sondern lediglich Teile daraus. Anwendungsbeispiele für eine mobile Instandhaltung liefern der Frankfurter Flughafen, der über Mobilgeräte die Inspektion der Brandschutzklappen und der Fluchtwege dokumentiert, oder die Polizei Rheinland-Pfalz, die mit einem mobilen Online-Szenario elektronische Fahrtenbücher pflegt.

Bei den mobilen Lösungen ist zu unterscheiden zwischen Online und Offline-Szenarien. Bei den Online-Szenarien nehmen die Mobilgeräte direkt Kontakt mit dem NetWeaver auf und übertragen die Daten ins Backend-System. Bei einem Offline-Szenario hingegen werden die Daten vom Backend-System auf das Mobilgerät übertragen, dort bearbeitet und anschließend wieder ans Backend-System zurückgeliefert. Typische Beispiele für Offline-Szenarien sind SAP Mobile Asset Management (MAM) und der SAP Work Manager.

Wie die Praxiserfahrung zeigt, sind Projekte der mobilen Prozesse der Instandhaltung deutlich individueller als klassische Projekte. Stark angepasst an die Bedürfnisse des Unternehmens werden üblicherweise die Funktionalität und die Oberflächen des Frontends.

Bei den mobilen Geräten kommen Notebooks, Tablets, Personal Digital Assistants, Smartphones oder Spezialgeräte wie etwa Voice-Picking-Systeme in Frage. Die Auswahl richtet sich nach den benötigten Funktionen, dem Speicherplatz und nach der verfügbaren Zusatzausstattung. Je nach der Bildschirmgröße des Mobilgeräts stehen unterschiedliche Masken für MAM zur Verfügung. Funktional möglich sind die Auftragsabwicklung, das Anlegen und Anzeigen von Meldungen, das Erfassen und Anzeigen von Messwerten sowie der Ein- und Ausbau technischer Objekte, die Anzeige der dazugehörigen Historie und das Ändern des Status.

Instandhaltungscontrolling

Es gibt drei Arten des Instandhaltungscontrollings: Die operative, die dispositive und die strategische Variante. Das operative Instandhaltungscontrolling richtet sich kurzfristig am Tagesgeschäft aus und legt den Fokus beispielsweise auf die Schadensanalyse von Maschinen und auf das Optimieren von deren Betrieb. Das dispositive Controlling verfolgt einen mittelfristigen Horizont und zielt auf die Steuerung von Geschäftsprozessen. Das strategische Instandhaltungscontrolling zielt auf die langfristige Unternehmensplanung, beispielsweise die Erfolgsfaktoren eines Unternehmens sowie das Erschließen neuer Märkte.

SAP ERP bietet für das Erheben, Analysieren und Auswerten von Instandhaltungsinformationen eine breite Palette von Möglichkeiten. Die Listendarstellung des SAP List Viewers gibt einen schnellen Überblick über operative Bewegungsdaten wie Meldungen und Aufträge, und der SAP Quick Viewer ermöglicht detailliertere Auswertungen von Daten aus unterschiedlichen Geschäftsprozessen. Mit Hilfe des Logistikinformationssystems (PM-IS) können Sie vorgefertigte Standardanalysen nutzen, die Objektklassen, Hersteller, Standort, Schaden, Kosten, Ausfall und Fahrzeugverbrauch umfassen. Darüber hinaus lässt sich mit PM-IS ein Frühwarnsystem aufbauen, das vorsorgliche Maßnahmen in die Wege leitet.

Bei tiefergehenden Bedürfnissen in Sachen Controlling zeigen sich allerdings schnell die Grenzen der Standardfunktionen von SAP ERP. Dann empfehlen sich die Business-Intelligence-Lösungen der SAP, allen voran das Business Warehouse. Hiermit lassen sich unternehmensweite und auch externe Daten analysieren.

Strategien zur Einführung der SAP-Instandhaltung

Wie meine Projekterfahrungen zeigen, gibt es weder für die SAP-gestützte Instandhaltung als Ganzes noch für Teilbereiche wie etwa die Anlagenstrukturierung oder das Einführen von Prozessen allgemeingültige Vorlagen, die überall gleich gut funktionieren. Vielmehr muss jedes Unternehmen seine eigene Strategie entwickeln.

Wie viele andere SAP-Lösungen sollte SAP EAM weder auf einen Schlag, noch zwingend mit der vollen Funktionalität eingeführt werden. Es gilt das Prinzip: So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Angesichts der unterschiedlichen Herangehensweisen sollten die Anforderungen dafür in einem Einführungsprojekt erarbeitet werden.

Wir von Maintcare können Ihnen bei der Entscheidung für das in Ihrem Fall am besten passende Vorgehen in Sachen SAP Instandhaltung helfen. Wir strukturieren die Informationen über Ihre Anlagen und erarbeiten mit Ihnen eine langfristige Wartungsstrategie. Kontaktieren Sie mich gerne unter lambertz@mindsquare.de.

SAP PM

Unsere Produkte zu SAP PM/EAM

Das Thema Change Management ist in aller Munde, meistens leider erst wenn es in einem Projekt nicht so gut läuft oder aber die Anwender die neuen Funktionen einfach nicht nutzen wollen. Warum also das Projekt erst gegen die Wand fahren lassen.

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Mit dem Workshop Einstieg in die SAP PM Instandhaltung bieten wir Ihnen die Möglichkeit, einen Einblick in die Instandhaltungsabwicklung mit dem SAP Modul PM zu bekommen.

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SAP PM Apps, mit denen Sie die Prozesse in Ihrer Instandhaltung effektiver gestalten können. Mit dem Neptune Application Designer setzen wir die Apps in kurzer Zeit um. Die SAP PM Apps sind dann wahlweise direkt über den Browser oder in einem Hybrid Container als App aufrufbar.

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